Chronik der Ortsgruppe Alfdorf

Sieben Jahre vor Gründung unser Ortsgruppe Alfdorf bemühte sich der Esslinger Arzt Dr. Salzmann im Jahre 1888 in Plochingen einen württembergischen Wanderverein ins Leben zu rufen. Es folgte bereits ein Jahr danach die erste Herausgabe der „Blätter des Schwäbischen Albvereins“ von Professor Nägele in Tübingen. Im Jahr 1893 wurde dann als Mitglied des Hauptvereins aus Alfdorf ein Rentamtmann Stumpp aufgeführt.

Erste Gründung der Ortsgruppe

Als im Jahr 1895 die Ortsgruppe Alfdorf durch Pfarrer Göller gegründet wurde, waren es im laufenden Jahr bereits 23 Mitglieder. Der Schwäbische Albverein seinerzeit legte Wert darauf, in der schönen Gegend des Welzheimer Waldes entsprechende Persönlichkeiten als Mitglieder zu werben.
Der Verein war zu dieser Zeit ein Verein der Honoratioren. Handwerker, Bauern, Arbeiter sowie kinderreiche Familien benötigten den Sonntag als einzigen arbeitsfreien Tag zum Ausruhen und hatten keinen Sinn für Vereinstätigkeiten.
Am 15.9.1895 erschien im Welzheimer Boten ein Artikel, dass die Ortsgruppe Alfdorf „einen Ausflug mit Damen zum Maierhof machte“ und bereits auf 23 Mitglieder angewachsen ist. Durch Anlegen von Fußwegen und Bezeichnung derselben durch die bekannten farbigen Striche hat sich namentlich Pächter Lutz vom Maierhof, 21⁄2 km von Alfdorf, hervorgetan. Dieser Maierhof ist ein hervorragender Aussichtspunkt und verdient weiter bekannt zu werden. Bei einem Ausflug nach Heubach-Rosenstein wurde die Ortsgruppe von Herrn Dr.Keller in dankenswerter Weise über die sehenswertesten Punkte unterrichtet. (so der Originalbericht im Welzheimer Boten)
Die Verhältnisse der damaligen Zeit erlaubten es wohl nicht, dass bedeutendere gesellige Aktivitäten in der Ortsgruppe durchgeführt werden konnten. Es sind wahrscheinlich aus diesem Grund keine weiteren Aufzeichnungen aus den ersten Jahren der Ortsgruppe vorhanden.
Erst 1911 kehrte wieder Leben in die Ortsgruppe ein, als Kaufmann Friedrich Mayer die Leitung übernahm. Nach mündlicher Überlieferung hatte die Ortsgruppe damals 8 Mitglieder.
Im Jahr 1914 erlosch durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs jede Vereinstätigkeit. Die schweren Nachkriegsjahre mit Inflation, Arbeitslosigkeit usw. machten es unmöglich, bei der Bevölkerung Mitgliedsbeiträge für einen Verein aufzubringen, auch wenn der Beitrag nur 2 Mark und 70 Pfennige ausmachte.

Wiedergründung

1936 setzte sich der damalige junge Bürgermeister Albert Schradin mit der Hauptgeschäftsstelle des Schwäbischen Albvereins in Verbindung, um in Alfdorf
wieder eine Ortsgruppe zu gründen. Er wollte auch den Fremdenverkehr anregen und schrieb die seinerzeit bestehenden Ortsgruppen an, damit sie in ihren Unternehmungen auch einen Ausflug nach Alfdorf einplanen sollten. So wurde dann im Oktober 1936 die Ortsgruppe im Gasthof „Stern“ wieder neu gegründet in Anwesenheit von Landrat Konrad Burkhardt und Professor Pfeffer. Es waren 27 Gründungsmitglieder; der Mitgliedsbeitrag lag bei RM 3,–. Leider ist durch den Ausbruch des 2. Weltkriegs im Herbst 1939 die Vereinstätigkeit wieder zum Erliegen gekommen, da die meisten aktiven Mitglieder zur Wehrmacht eingezogen wurden. Bedauerlicherweise ist auch der frühere Vertrauensmann BM Schradin gegen Kriegsende im Jahr 1945 gefallen. Aufbau nach dem 2. Weltkrieg
Bereits 1947 traten 17 neue Mitglieder der noch verbliebenen Ortsgruppe bei. Elektromeister Heinrich Greiner hatte sich bereit erklärt, die Ortsgruppe „über die schwierigen Zeiten hinweg zu erhalten“ und bat im Mai 1949, als dieses Ziel erreicht war, um seine Ablösung. Daraufhin übernahm der bisherige Rechner Fritz Wahl, der sich bereits intensiv für neue Mitglieder eingesetzt hatte, die Führung der Ortsgruppe. Ebenfalls im Jahr 1949 kam die Ortsgruppe Alfdorf vom Rems-Murr-Gau zum Nord-Ost-Alb-Gau unter Leitung von Landrat Konrad Burkhardt.
Die Zahl der Mitglieder nahm in den folgenden Jahren ständig zu, was wesentlich auf die Aktivitäten des Vertrauensmanns Wahl und der tatkräftigen Unterstützung seiner Ehefrau Lotte zurückzuführen war.Vielfältige Unternehmungen der Ortsgruppe In darauffolgenden Jahren wurden Frühjahrsfeiern, Jahresfeiern usw. veranstaltet, wobei die Jugend mit einer Theatergruppe, Volkstänzen und einer Singgruppe sehr aktiv war. Auch durch erste Ausflüge in die Alpen (1948 und 1949) gewann die Ortsgruppe weiter an Attraktivität.
Die Jugendgruppe wurde seinerzeit von Georg Hinderer geleitet. Die Theaterstücke „D‘ Kuchalb-Franzel“ und „Bau der Wieslaufbahn“ fanden zu jener Zeit nachhaltigen Anklang. Die dieser Chronik zugrundeliegenden Daten aus der Zeit der Wiedergründung (1937) bis zu den 60er-Jahren verdanken wir Frau Lotte Wahl-Ziehman (Gründungsmitglied Lotte Klein, später Ehefrau des Vertrauensmanns Fritz Wahl).
In den Jahren 1956 bis 1963 haben Hans Klenk und von 1964 bis 1969 Hans Holzmann als stellvertretende Vertrauensmänner zur Entwicklung des Vereins beigetragen.
Seit 1957 hat Hans Hägele die meisten Wanderungen der Ortsgruppe mit der Kamera begleitet und die Vereinsaktivitäten in Farbdias dokumentiert.
Die Mitgliedsbeiträge wurden noch in bar bei den Mitgliedern eingezogen. Lene Schneider als Kassier war unter Mitarbeit von Marta Hägele von 1964 bis 1976 unermüdlich tätig und hat so den persönlichen Kontakt zu den Mitgliedern aufrechterhalten. Für seine außerordentlichen Aktivitäten erhielt Vertrauensmann Fritz Wahl 1960 die silberne Ehrennadel und 1977 den Ehrenschild des Schwäbischen Albvereins.
Nachdem Fritz Wahl einen Herzinfarkt erlitten hatte, übernahm Hans Ehret 1969 das Amt des Vertrauensmanns. Während seiner Amtszeit stieg die Mitgliederzahl weiter an. Die Vereinsaktivitäten wurden noch zahlreicher. Auch die weithin bekannte Sonnwendfeier der Ortsgruppe Alfdorf wurde erstmals veranstaltet.
Nach Ablauf seiner 2. Amtszeit als Vertrauensmann konnte Hans Ehret wegen seiner großen beruflichen Belastung die Führung der Ortsgruppe nicht mehr weiter übernehmen.
In dieser Zeit betreute Felix Wermescher eine Schülertanzgruppe und Anton Schäfer brachte 16 Jugendlichen das Gitarrespielen bei. Bei der Hauptversammlung 1977 wurden Hans Beug als Vertrauensmann, Rolf Schneider als stellvertretender Vertrauensmann, Peter Kinkel als Schriftführer, Otto Hägele als Rechner und Hermann Wiedmann als Wegwart gewählt.
Hans Beug legte mit seinen Mitarbeitern besonderen Wert auf den Ausbau, die Pflege und Bezeichnung der Wanderwege. So wurde vom Verein der Bau des auch heute noch stark begangenen „Hasenwegs“ durchgeführt. Bei der Wegbezeichnung hat sich Hermann Kistenfeger besonders engagiert. Zuvor hatte Hans Beug als Wegwart schon 1972 den „Moldenwaldbrunnen“ und 1974 das „Jakobsbrünnele“ gebaut bzw. erneuert.
Als Naturschutzwart war es Roland Kinkel sehr am Herzen gelegen, daß die natürlichen Biotope der Feuchtwiesen erhalten bleiben. Er hat in dieser Sache einen umfangreichen Schriftwechsel geführt, lange bevor die Politik und andere Umweltverbände dieses Thema aufgegriffen haben. Es war dem Schwäbischen Albverein seit jeher ein großes Bedürfnis, die Natur unserer Heimat zu erhalten.

Singgruppe

Die dieser Chronik zugrundeliegenden Daten aus der Zeit der Wiedergründung (1937) bis zu den 60er-Jahren verdanken wir Frau Lotte Wahl-Ziehmann (Gründungsmitglied Lotte Klein, später Ehefrau des Vertrauensmanns Fritz Wahl).Um die Attraktivität der bestehenden Singgruppe zu verbessern, nahm
Vertrauensmann Hans Beug Kontakt zur Ortsgruppe Lindach auf. Die dortige Singgruppe wurde damals schon von Anton Schäfer (Donez) geleitet. Folge war die Abhaltung gemeinsamer Singstunden in 14-tägigem Rhythmus unter Leitung von Donez bis zum heutigen Tag.
Kreis der älteren Wanderfreunde Im Bestreben, auch älteren Mitgliedern, die an großen Wanderungen nicht mehr teilnehmen konnten, etwas zu bieten, gründete Fritz Wahl den „Kreis der älteren Wanderfreunde“. Jedes Jahr wurden etliche Wanderfahrten unternommen.
Nach seinem Tod 1982 wurden in der Hauptversammlung 1983 Anne Seidel und Hans Klenk mit dieser Aufgabe betreut. Sie führten die Gruppe in seinem Sinne weiter, wobei Hans Klenk durch seine orginellen Musikbeiträge zur Gemütlichkeit beitrug. Frau Seidel besuchte auch verschiedene Lehrgänge zur Ausbildung als Seniorenbetreuerin und ehrenamtliche Reiseleiterin. Im Jahr 1986 wurde aus den „älteren Wanderfreunden“ der „Seniorenkreis im Schwäbischen Albverein“.
Wöchentliche Zusammenkünfte mit kleinen Wanderungen, Gymnastik, Singen und Gedächtnistraining stehen auf dem Programm des Seniorenkreises. Höhepunkte
waren ausgesuchte mehrtägige Reisen (u.a. Prag, Holland, Paris, Kl. Walsertal, Wien, Südtirol usw.)

Generationswechsel

Aus alters- und gesundheitlichen Gründen hat sich Hans Beug schon 1986 um einen Nachfolger für das Amt des Vertrauensmanns bemüht. Ein Generationswechsel bei der Führung der Ortsgruppe war fällig und so wurde in der Hauptversammlung 1988 ein zum großen Teil neuer Ortsgruppenvorstand gewählt: Erhard Kubiczek als Vertrauensmann, Felix Wermescher als Stellvertreter, Otto Hägele als Rechner und Hannelore Abele als Schriftführerin. Frau Anne Seidel übernahm weiterhin die Betreuung des Seniorenkreises. Vertrauensmann Erhard Kubiczek lag es bei der Übernahme seines Amtes im Jahr 1988 besonders am Herzen, den Mitgliederstand durch Werbung neuer Mitglieder wieder zu erhöhen, was er bei den Hauptversammlungen der folgenden Jahre immer wieder aufgegriffen hat. So konnten dann auch von 1988 bis 1994 insgesamt 40 neue Mitglieder in die Ortsgruppe Alfdorf aufgenommen werden. In diesem Bestreben wurde Vertrauensmann Kubiczek besonders von der Leiterin des Seniorenkreises, Frau Seidel, unterstützt.
Die dieser Chronik zugrundeliegenden Daten aus der Zeit der Wiedergründung (1937) bis zu den 60er-Jahren verdanken wir Frau Lotte Wahl-Ziehmann (Gründungsmitglied Lotte Klein, später Ehefrau des Vertrauensmanns Fritz Wahl).Da in der heutigen Zeit mit ihren vielen Angeboten und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung ein Anreiz vorhanden sein muss, um zum Schwäbischen Albverein zu gehen und dabei zu bleiben, war der Vertrauensmann und der gesamte Ausschuss immer bemüht, interessante Wanderungen und Wanderfahrten anzubieten.
Besonders die mehrtägigen Wanderfahrten in die Alpen und die deutschen Mittelgebirge (u.a. Thüringer Wald – Rennsteig) waren hierbei ein besonderes Erlebnis. Als kulturelle Höhepunkte sind die Stadtbesichtigungen unter der Leitung des stellvertretenden Vertrauensmanns Felix Wermescher und die Theaterbesuche unter der Leitung von Frau Anne Seidel anzuführen. Bei diesen Veranstaltungen ist regelmäßig auch der Seniorenkreis stark beteiligt. Der Schwäbische Albverein war in den letzten Jahren auch stets bemüht, zur Gemeinde und zu den anderen Alfdorfer Vereinen ein gutes Verhältnis zu pflegen,  was insbesondere in der Teilnahme an der 850-Jahr-Feier von Alfdorf im Jahr 1993 und der 750-Jahr-Feier von Pfahlbronn im Jahr 1994 zum Ausdruck kam. Unsere Beiträge an den Festzügen fanden stets großen Anklang Zu einer Musikkassette der gesangtreibenden Alfdorfer Vereine hat der Albverein mit der Singgruppe beigetragen. Seit mehreren Jahren hat die Albvereinsortsgruppe auch Veranstaltungen im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinde Alfdorf organisiert. Als besonderer Höhepunkt des Vereinslebens ist seit vielen Jahren die Sonnwendfeier des Albvereins am Feuersee anzusehen. Sie zieht von Jahr zu Jahr mehr Besucher an.
Mit der Bezeichnung der 14 Rundwanderwege der Gemeinde Alfdorf im Jahr 1993 hat sich der Verein große Anerkennung seitens der Gemeinde und ihres Bürgermeisters, Herrn Nägele, erworben. In diesem Jahr wurde anlässlich der 850-Jahr-Feier auch die Wanderkarte „Wanderwege in der Alfdorfer Erholungslandschaft“ neu aufgelegt. Diese Aufgabe wurde zum großen Teil von Herbert Lang und Helmut Reiß bewältigt, die mit Einsatz und freundlicher Unterstützung von Revierförster Pfeiffer die auftretenden Probleme lösten. Engagement für Natur und Umwelt Seit 1994 ist der Schwäbische Albverein e.V. auch als Naturschutzverband  anerkannt. So ist die SAV-Ortsgruppe Alfdorf in ihrem Jubiläumsjahr, wie auch in den Jahren zuvor, bemüht die Begegnung der Generationen zu fördern, altes  Liedgut und Brauchtum zu erhalten und in Einklang mit unserer Umwelt zu bringen. Zur Erreichung dieser Ziele ist es notwendig, die Mitgliederzahl der Ortsgruppe, der im Jubiläumsjahr 175 Personen aus allen Schichten der Bevölkerung angehören, weiter zu vergrößern.
Die dieser Chronik zugrundeliegenden Daten aus der Zeit der Wiedergründung (1937) bis zu den 60er-Jahren verdanken wir Frau Lotte Wahl-Ziehmann (Gründungsmitglied Lotte Klein, später Ehefrau des Vertrauensmanns Fritz Wahl). Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft auch wieder mehr junge Menschen die Natur mit Verantwortung genießen und sich daran erfreuen.  (Stand aus dem 100 Jubiläum der Ortsgruppe Alfdorf 1995)